Müsste ich das Buch Gödel, Escher, Bach auf einen Satz reduzieren, wählte ich wohl diesen:

“Meine Selbsterkenntnis hat den kritischen Punkt erreicht, an dem die metaphorische Analogie der einschränkenden Sätze Gültigkeit erlangt, so dass mein Selbstverständnis sich auf Gödelsche Art unterminiert und ich aus diesem Grund unvollständig bin.”

Liest man jedoch nur den einen Satz, wird man einerseits Mühe haben, ihn zu verstehen, andererseits verpasst man die wundervolle Reise, auf welche einem Douglas R. Hofstadter in seinem Buch mitnimmt. Diese geht vom Kreter Epimenides (“alle Kreter lügen”) über Gödel bis hin zu Alan Turing und J. R. Lucas. Sie führt einem durch Bachs Fugen und Kanons, durch die Logik, die Geometrie (und nicht nur die Euklidsche), die Computertechnik, die Molekularbiologie (endlich kenne ich den Unterschied zwischen DNS und RNS, weiss was Ribosome und Enzyme sind), Eschers und Magrittes Kunst, und handelt grundlegende philosophische Fragen ab. All diese Themen vereint Hofstadter zu einem homogenen Ganzen, gespickt mit Dialogen zwischen wundersamen Wesen, welche jeweils ein Kapitel einleiten.

Auch wenn dieses Buch vor fast 30 Jahren geschrieben wurde, hat es noch nicht viel von seiner Aktualität eingebüsst. Einzig die Kapitel über die künstliche Intelligenz entsprechen nicht ganz dem Stand der Dinge - so war zum Beispiel ein weltmeisterschlagender Schachcomputer noch eine schwer vorstellbare Zukunftsvision und es fällt auf, dass die symbolverarbeitende KI das Mittel der Wahl war, um Intelligenz nachzubilden (und nicht die Simulation des Gehirns auf neuronaler Ebene). An der grundlegenden Frage, ob es überhaupt möglich ist, Intelligenz zu bauen oder nicht, hat sich jedoch nichts verändert.

Ich bereue jedenfalls nicht, viel Zeit in dieses aussergewöhnliche Buch investiert zu haben und möchte keine der fast 800 Seiten missen. Es hat wirklich Spass gemacht!